Nächtliches Begehren
bei Nacht
Ist nicht meine Art nachts wach zu sein, ich bin so ein "mitdenHühnernzuBettundwiederaufsteh" Mensch. Eigentlich.
Mein neues Ich oder vielleicht auch der Kaffee, den ich am Abend trank, lassen mich aber nicht schlafen. Sitz ich also hellwach, mitten in der Nacht und gucke gleich ne Folge prison break, auf englisch, damits legitim ist.
Geweckt hat mich mein Nachdenken über das merkwürdige Verhalten von uns Menschenkindern, was Begehren angeht. Dabei fing ich an, einen Grundsatz aufzustellen, der immer größere Ausmaße annahm.
"Der Mann, den eine Frau trotz seines Interesses an ihr noch begehrt, muss über die Maßen hinaus begehrenswert für sie sein!"
Wie oft habe ich im natürlichen Lebensraum (ok darüber lässt sich natürlich streiten) der Menschen beobachten können, dass ein weibliches Wesen ein männliches Exemplar nur solange interessant findet, solange er sich nicht interessiert. Aber wehe ihm, er zeigt Interesse. So als würde sein Begehren und ihres beide positiv geladen und stießen sichgegenseitig ab (ha, die verkannte Physikerin in mir, ist also nachtaktiv). Dieses sonderbare, weibliche Verhalten wird eigentlich nur noch von der schwarzen Witwe übertrumpft, die ihren Mann nach dem Sex (kurz und schmerzlos) auffrisst.
Aber nach einer Weile dachte ich: Häää, aber warum eigentlich nur weiblich? Was ist dem Jagdinstinkt der Männchen? Da ist es doch genauso. Eine Frau ist solange das Endziel allen Begehrens, solange er sie nicht in der Tasche hat (soll heißen: solange sie sich nicht auch hoffnunslos in ihn verliebt und mit emotional-un kappbaren Ketten an ihn gebunden ist, ersatzweise auch an seine Geldbörse). Muss er sie dann jeden Tag sehen, verliert selbst das hübscheste Gesicht, der schönste Körper seine Besonderheit und dann ist es die nächste, die verspricht, was er sich verspricht, könnte er sie doch nur erreichen...
Als ich mir das ne Weile durch den Kopf gingen ließ, wurde mir klar, dass wir wirklich bescheuert sind. Und es wurde mir klar, dass wir zwei Möglichkeiten haben mit diesem, ich nenn es jetzt mal Problem umzugehen:
1. Wir warten auf denjenigen, der so besonders ist, dass er seinem eigenen Interesse standhalten kann.
2. Wir durchbrechen den ganzen Blödsinn und fangen an zu begehren, wen wir wollen und zwar nichtweil er uns nicht will, sondern weil wir ihn/sie toll finden, uns die nähe zu x wünschen und sie uns auch zu gestehen (das beinhaltet noch zusätzlich das Durchbrechen, diesmal wirklich typisch weiblichen Verhaltensmuster des "aber ich bin doch viel zu...!"setzt ein was immer ihr wollt)
Die meisten entscheiden sich für Nummer eins. Ist ja auch viel kürzer.
Solange wir auf irgendetwas hoffen dürfen, aber es nicht bekommen oder aber bekommen und dann nicht mehr wollen und sofort etwas anderes finden, auf das wir hoffen können, haben wir keine Lust zu sterben, denn dann würden wir ja verpassen können, was wir eh nie bekommen...
Jetzt guck ich Prison Break, wo alles schön einfach ist, weil sich die nette Gefängsnisärztin (die natürlich die Todesstrafe ablehnt) und der heldenhafte Retter seines (natürlich zu Unrecht) zum Tode verurteilten Bruders auf Anhieb begehren. Ganz einfach.... wenn ihre Liebe nicht unmöglich wäre, weil naja, er eben nur ein Gefangener (zum Glück nicht seiner eigenen menschlichen Verhaltensstörungen) ist.
Weiter gehts mit der Frage, ob und was einen Menschen über die Maße besonders macht und warum wir es persönlich nehmen, wenn nicht wir das sind.
Nächtliches Begehren
bei Tage
Was macht nun bestimmte Menschen besonders für uns oder eben nicht?
Für Definitionen und Zauberformel bin ich offen und dankbar. Ich jedenfalls kenne sie nicht.
Ich merke nur immer wieder, wie ich plötzlich total oberflächlich werde, wenn ich mir erklären möchte, wer wen warum will (by the way, das war eine Allitariation, die eine fragende ratlose Stimmung erzeugen möchte, nur so, damits die Nachwelt einfacher hat).
Meine Begründung hat meist etwas mit Aussehen zu tun. Dabei halt ich mich eigentlich gar nicht für oberflächlich, wenn es jedoch um Begehren geht, dann vergleiche ich Menschen, als wären sie Puppen, sprechende Puppen.
Denn die Wichtigkeit, des was und wie, die Frage "wo" kann man hier vernachlässigen, derjenigesich äußert, zur Bestimmung der Anziehungsstärke, ist mir schon lange aufgefallen.
Erste Blick: erste Einschätzung. Dann der verbale Blick: zweiter Eindruck, der den ersten um 180 Grad ändern kann.Wie viele fand ich schön, bis sie den Mund aufmachten und wieviele nicht, bis sie den Mund aufmachten? Aber worauf ich hinaus will ist mehr als das, denn nicht jeden den ich schön finde, finde ich begehrenswert. Das geht wohl jedem so?
Ist das Geheimnis am Ende wirklich der Geruch, auch Chemie genannt, wie es in " das Parfum" thematisiert wird? Oder die Ausstrahlung, aus was auch immer die zusammengesetzt sein soll?
All das insgesamt, plus etwas, das ich nicht benennen kann, weil es so subtil und feinstofflich ist. Ich fragte mal jemanden, der meinte, mich zu begehren: "Aber warum?" und ich wollte es wirklich wissen. Er fand die Frage doof und meinte: "Da gibts kein warum, es ist einfach so."
Das genügte mir...fünf Minuten genau. "Es ist einfach so", ist eine Antwort, von der ich weiß, ich sollte sie akzeptieren, aber es nicht kann, weil ich es nicht mag, weil es zu einfach ist, weil wir Menschen fragende Wesen sind, weil ich wissen will wieso.
Warum wir es so persönlich nehmen, wenn derjenige, den wir begehren und nicht auf die gleiche Weise begehrt, dafür habe ich eine (eigentlich noch mehr) Erklärung(en):
Bei Tage betrachtet ist es eigentlich totaler Blödsinn sowas persönlich zu nehmen und seinen Selbstwert deshalb herabzusetzen oder in Frage zu stellen. Eigentlich...
In Wirklichkeit aber trifft es uns bis ganz in die tiefen unserer Seele , weil wir den anderen zum Richter über uns selbst gemacht haben. Wie´s ihm gefällt, so will ich sein, wie nicht, so nicht. Und wenn er uns dann immer noch nicht begehren kann, dann können wir nicht begehrenswert sein.
Gibt es effektivere Wege sich selbst im Weg zu stehen? Ich glaube, nein. Zum Glück können wir uns für andere Wege entscheiden, als die der "unerreichbaren Liebe", "unerwiderten Liebe", "ungenügenden Liebe".
Wie man diesen Weg findet, weiß ich noch nicht, aber es hat was mit Seelenpflege zu tun, mit Augen zu kneifen und ganz fest wünschen, Augen aufmachen und loslassen, da bin ich (fast) sicher.