Donnerstag, 12. August 2010

Ramadan vor einem Jahr

Heute wurde ich mal wieder vorgeführt, vor&von mir selbst. Sitz ich vor dem Pc, tippe wild, konzentriert, poetisch, meine Kinder rausschickend meine Gedanken ein, es gelingt mir endlich, etwas verbindend zu formulieren, was vorher wie pluffige Wolkenfetzen im Kopf herumschwebte. Die Worte sind zwar etwas schwer (oder auch triefend), haben etwas von einem Ratgeber und natürlich schäme ich mich ein wenig für meine "Übermirigedanken", stelle aber gleichzeitig fest, dass ich zum Teil einfach so bin, auch das Bedürfnis nach Mitteilung, meine Offenheit und daraus resultierende Seelennacktheit gehört wohl zu mir. Und dann nach einer gefühlten halben Stunde drücke ich auf "eintragen" und da wird es auch schon...weggetragen oder besser gesagt gebeamt, direkt ins virtuelle Nirwana oder eher in den kosmischen Mülleimer. Jetzt stellt sich die Frage, ob das ein Zeichen war, ein Zeichen, das mir sagen will: "Lass sein, Maryam, lass das Denken sein und lebe und erspar den anderen deinen Mist" oder ob es einfach meine eigene Doofheit ist, die mich nicht klug werden lässt und die Texte immer direkt ins Kulando,pm, etc. tippen möchte, zu faul Word aufzumachen und nicht einmal copy&taste bemüht. 
Beide Möglichkeiten sind nicht sehr nett, ich entscheide mich für eine Dritte: Schicksal!Es wollte wohl einfach ein wenig stänkern, hatte gerade nicht besseres zu tun.Ein paar Fetzen hat es mir gelassen und zwar merkwürigerweise die, die ich noch nicht vergaß abzuspeichern.
Viel Spaß beim Lesen des Wolkenstückchen...der Rest war natürlich vieeeeel Besser .P.
Und ja diesmal drücke ich copy und paste und werde es nie wieder oder zu mindest nicht die nächsten drei Tage vergessen zu tun. Und noch was: Ich bin bereit für die Liebe. Was für eine Erkenntnis!
Freiheit ungleich Grenzenlosigkeit
Wäre es anders, wären wir verloren und nicht frei.
Freiheit bedeutet, sich frei zu machen von allem, was nicht zu mir gehört, angeeigent durch Erziehung, Kultur, geliebte Gedanken, Gefühle, sein schein-selbst verlierend, falsche Grenzen aufgebend, Fragen zulassend, Konzepte als Konzepte erkennend, anerkennenend, dass mein Weg nicht der Weg ist, sondern nur ein Weg, ahnend warum dieser Weg mein Weg geworden ist.
Sich befreien, das Fundament freilegen, die Stärke zu haben Fragen zu stellen, langgeglaubtes in Frage zu stellen, mit sich zu hadern, zu verzweifeln und sich dann zu verzeihen, keinen Weg zu sehen, trozdem weiterzugehen,frei zu sein von der Meinung der Menschen, wenn auch den Nächsten, den Applaus nach dem Handstand nicht mehr zu wollen, die gerunzelten Augenbrauen nicht mehr zu fürchten, für sich selbst Verantwortung übernehmen,das bedeutet mir Erwachsen sein.

Excurs: Ich habe heute einen gänzlich neuen Segen des Monat Ramadan kennenlernen dürfen. Frauenschwimmen ohne Frauen, ein Schwimmbad ganz für uns allein! Meine Tochter führte mir sogar die "tote Leiche" vor, tja sowas gibts nur im Ramadan. 

Freitag, 22. Januar 2010

Nachtliches Begehren bei Nacht und bei Tage; 14/09/2009 03:44; 19/09/2009 11:14

Nächtliches Begehren
bei Nacht


Ist nicht meine Art nachts wach zu sein, ich bin so ein "mitdenHühnernzuBettundwiederaufsteh" Mensch. Eigentlich.

Mein neues Ich oder vielleicht auch der Kaffee, den ich am Abend trank, lassen mich aber nicht schlafen. Sitz ich also hellwach, mitten in der Nacht und gucke gleich ne Folge prison break, auf englisch, damits legitim ist.
Geweckt hat mich mein Nachdenken über das merkwürdige Verhalten von uns Menschenkindern, was Begehren angeht. Dabei fing ich an, einen Grundsatz aufzustellen, der immer größere Ausmaße annahm.
"Der Mann, den eine Frau trotz seines Interesses an ihr noch begehrt, muss über die Maßen hinaus begehrenswert für sie sein!" 

Wie oft habe ich im natürlichen Lebensraum (ok darüber lässt sich natürlich streiten) der Menschen beobachten können, dass ein weibliches Wesen ein männliches Exemplar nur solange interessant findet, solange er sich nicht interessiert. Aber wehe ihm, er zeigt Interesse. So als würde sein Begehren und ihres beide positiv geladen und stießen sichgegenseitig ab (ha, die verkannte Physikerin in mir, ist also nachtaktiv). Dieses sonderbare, weibliche Verhalten wird eigentlich nur noch von der schwarzen Witwe übertrumpft, die ihren Mann nach dem Sex (kurz und schmerzlos) auffrisst.

Aber nach einer Weile dachte ich: Häää, aber warum eigentlich nur weiblich? Was ist dem Jagdinstinkt der Männchen? Da ist es doch genauso. Eine Frau ist solange das Endziel allen Begehrens, solange er sie nicht in der Tasche hat (soll heißen: solange sie sich nicht auch hoffnunslos in ihn verliebt und mit emotional-un kappbaren Ketten an ihn gebunden ist, ersatzweise auch an seine Geldbörse). Muss er sie dann jeden Tag sehen, verliert selbst das hübscheste Gesicht, der schönste Körper seine Besonderheit und dann ist es die nächste, die verspricht, was er sich verspricht, könnte er sie doch nur erreichen...

Als ich mir das ne Weile durch den Kopf gingen ließ, wurde mir klar, dass wir wirklich bescheuert sind. Und es wurde mir klar, dass wir zwei Möglichkeiten haben mit diesem, ich nenn es jetzt mal Problem umzugehen:

1. Wir warten auf denjenigen, der so besonders ist, dass er seinem eigenen Interesse standhalten kann.

2. Wir durchbrechen den ganzen Blödsinn und fangen an zu begehren, wen wir wollen und zwar nichtweil er uns nicht will, sondern weil wir ihn/sie toll finden, uns die nähe zu x wünschen und sie uns auch zu gestehen (das beinhaltet noch zusätzlich das Durchbrechen, diesmal wirklich typisch weiblichen Verhaltensmuster des "aber ich bin doch viel zu...!"setzt ein was immer ihr wollt)


Die meisten entscheiden sich für Nummer eins. Ist ja auch viel kürzer.
Solange wir auf irgendetwas hoffen dürfen, aber es nicht bekommen oder aber bekommen und dann nicht mehr wollen und sofort etwas anderes finden, auf das wir hoffen können, haben wir keine Lust zu sterben, denn dann würden wir ja verpassen können, was wir eh nie bekommen...

Jetzt guck ich Prison Break, wo alles schön einfach ist, weil sich die nette Gefängsnisärztin (die natürlich die Todesstrafe ablehnt) und der heldenhafte Retter seines (natürlich zu Unrecht) zum Tode verurteilten Bruders auf Anhieb begehren. Ganz einfach.... wenn ihre Liebe nicht unmöglich wäre, weil naja, er eben nur ein Gefangener (zum Glück nicht seiner eigenen menschlichen Verhaltensstörungen) ist.

Weiter gehts mit der Frage, ob und was einen Menschen über die Maße besonders macht und warum wir es persönlich nehmen, wenn nicht wir das sind.

Nächtliches Begehren
bei Tage
Was macht nun bestimmte Menschen besonders für uns oder eben nicht?
Für Definitionen und Zauberformel bin ich offen und dankbar. Ich jedenfalls kenne sie nicht.
Ich merke nur immer wieder, wie ich plötzlich total oberflächlich werde, wenn ich mir erklären möchte, wer wen warum will (by the way, das war eine Allitariation, die eine fragende ratlose Stimmung erzeugen möchte, nur so, damits die Nachwelt einfacher hat).

Meine Begründung hat meist etwas mit Aussehen zu tun. Dabei halt ich mich eigentlich gar nicht für oberflächlich, wenn es jedoch um Begehren geht, dann vergleiche ich Menschen, als wären sie Puppen, sprechende Puppen.
Denn die Wichtigkeit, des was und wie, die Frage "wo" kann man hier vernachlässigen, derjenigesich äußert, zur Bestimmung der Anziehungsstärke, ist mir schon lange aufgefallen.


Erste Blick: erste Einschätzung. Dann der verbale Blick: zweiter Eindruck, der den ersten um 180 Grad ändern kann.Wie viele fand ich schön, bis sie den Mund aufmachten und wieviele nicht, bis sie den Mund aufmachten?  Aber worauf ich hinaus will ist mehr als das, denn nicht jeden den ich schön finde, finde ich begehrenswert. Das geht wohl jedem so?

Ist das Geheimnis am Ende wirklich der Geruch, auch Chemie genannt, wie es in " das Parfum" thematisiert wird? Oder die Ausstrahlung, aus was auch immer die zusammengesetzt sein soll?

All das insgesamt, plus etwas, das ich nicht benennen kann, weil es so subtil und feinstofflich ist. Ich fragte mal jemanden, der meinte, mich zu begehren: "Aber warum?" und ich wollte es wirklich wissen. Er fand die Frage doof und meinte: "Da gibts kein warum, es ist einfach so."
Das genügte mir...fünf Minuten genau. "Es ist einfach so", ist eine Antwort, von der ich weiß, ich sollte sie akzeptieren, aber es nicht kann, weil ich es nicht mag, weil es zu einfach ist, weil wir Menschen fragende Wesen sind, weil ich wissen will wieso.

Warum wir es so persönlich nehmen, wenn derjenige, den wir begehren und nicht auf die gleiche Weise begehrt, dafür habe ich eine (eigentlich noch mehr) Erklärung(en):
Bei Tage betrachtet ist es eigentlich totaler Blödsinn sowas persönlich zu nehmen und seinen Selbstwert deshalb herabzusetzen oder in Frage zu stellen. Eigentlich...

In Wirklichkeit aber trifft es uns bis ganz in die tiefen unserer Seele , weil wir den anderen zum Richter über uns selbst gemacht haben. Wie´s ihm gefällt, so will ich sein, wie nicht, so nicht. Und wenn er uns dann immer noch nicht begehren kann, dann können wir nicht begehrenswert sein.

Gibt es effektivere Wege sich selbst im Weg zu stehen? Ich glaube, nein. Zum Glück können wir uns für andere Wege entscheiden, als die der "unerreichbaren Liebe", "unerwiderten Liebe", "ungenügenden Liebe".
Wie man diesen Weg findet, weiß ich noch nicht, aber es hat was mit Seelenpflege zu tun, mit Augen zu kneifen und ganz fest wünschen, Augen aufmachen und loslassen, da bin ich (fast) sicher.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Die Geschichte eines Freien oder Hurr in Kerbala

Bühne: leer, hell
Hurr auf der Bühne zügig hin und her laufend: 


„Sie fragen mich, warum ich unruhig hin und herlauf, als hätt ich Angst... Bei Allah, ich habe Angst. Sie sagen mir, dass ich doch der Mutigste von ihnen bin und mutig bin ich schon, das stimmt!
Angst war ein Fremdwort für mich. Jeden Befehl, den man mir gab, befolgte ich sofort:

"Sam´an wa Taa´-gehört und gehorcht", genügt hat ein Wort."

Jetzt bleibt er stehen und spricht ins Publikum:

"Hussain sollte ich den Zutritt nach Kufa verwehren und genau das habe ich getan.
Danach lautete mein Auftrag, ihn nicht aus den Augen zu lassen und wieder habe ich gehorcht. Dann wurde ihm das Wasser verwehrt und selbst da habe ich nichts unternommen. "Sam´an wa Taa´.""

Hurr setzt sich hin und senkt beschämt seinen Kopf, dann redet er weiter: 

"Ich habe ihn kennen gelernt, in diesen Tagen, den Hussain. Ein Abtrünniger, sagte man mir,ein Unruhestifter, versicherte man mir. Bei Allah, ich sah niemanden, der frommer wäre, als er. Ich traf niemanden, der den Frieden so sehr liebt, wie er. Wenn man mich fragen würde, nach dem Islam in Person, dann hätte ich auf ihn gezeigt.
Als wir ihm durstig entgegenkamen, eine Armee, von der er wusste, dass sie ihm nicht wohl gesonnen, befahl er seinen Männer Wasser zu verteilen an uns, das feindliche Heer! Nun haben wir ihm das Wasser verwehrt. Ihm und seiner kleinen Schar, ihm und seinen Kindern und Frauen.
Wie kann ich je wieder in den Spiegel schauen?
Er hat mit mir geredet in diesen Tagen, mit mir diskutiert. Erklärt, dass er friedliche Absichten habe, doch ich blieb stur und nach außen hin unberührt."

Er steht wieder auf: 

"Nach Kerbela, zu ihrem Schicksal, habe ich sie gebracht, ich und eine Übermacht. Ich frag mich, wer sich von uns nach diesem Tage noch mutig nennen kann. Tausende gegen siebzig Mann! Ich frag mich, wie ich es schaffen soll in diese Gesichter zu schlagen; ich frag mich, wie ich es lassen soll, hab doch nie gelernt zu hinterfragen.
Nun steh ich hier, in der Nacht vor der Schlacht und ganz beängstigend fremd, ist mein Gewissen erwacht. Ich bin nicht derselbe, wie vor 10 Tagen. Hat er mich verzaubert? Und weiß die Antwort doch! Er hat nichts Unrechtes getan, weder mir, noch jemand anderem.
(Wer es als Unrecht empfindet, dass das Gute das Böse offensichtlich macht, der mag ihn ungerecht nennen.)"

Fängt wieder an hin und her zu gehen:

"Zu wem will ich gehören? Mein Herz sagt deutlich und klar, zu der kleinen Schar, zum Sohn des Propheten Allahs."


Er schüttelt zweifelnd den Kopf:

"Zu lange habe ich den Falschen gedient, habe ihren Wörtern geglaubt, an ihren Plänen mitgebaut.
Kann ich noch umkehren oder ist es zu spät? Ich habe Angst, wie noch nie, doch die Entscheidung steht.
Wem gehört mein Gehorsam an erster Stelle? Wen muss ich grüßen im Gebet? Es ist die Familie des letzten Gesandten! Wie blind war ich, dass ich das nicht sah!
Ich werde ruhig- so ruhig wie noch nie. Jetzt ruft er wieder: 

"Gibt es da einen Helfer, der mir hilft?" "Ich, Aba Abdillah! Sam´an wa Taa´!“"

Geht ab.

Samstag, 7. November 2009

Lyrik, Sonette, Achilles Gedankenkette

Der Menschen Gefühle in Worte verpackt
Jahrhunderte  lange Gedankenketten, 
wie viel wurde schon verewigt gesagt,
geliebt, gehasst, gelitten in Sonetten.

Wir lesen Herbst, wir denken gleich: Tod,
Verfall, doch was uns dabei entfiel,
ob Schreibers Feder überhaupt gebot,
wie dem Autor solch Deutung wohl gefiel.
   
Im alten, grauen Stummfilm gefangn, 
Achilles gleich unvergessen vergang´n,
verletzlich, wie die Ferse, die ihn fiel.

Die Zeit gab und stahl uns wieder eure Sicht.  
Auf ein Wort - verzeiht, verblasste Seelen- 
tröstet euch, denn eure Worte sind es nicht!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Ausdrücke in Damaskus


humar ist wohl der beliebteste ausdruck im strassenverkehr. obwohl ich bis jetyt nur einen "echten" esel gesehen habe. die sind zumindest in der stadt fast ausgestorben. vielleicht ist humar deshalb so eine beliebte bezeichnung fuer autofahrer, die nicht so fahren wie man es selbst gerne haette. stur wie ein der gute alte esel, ein bisschen nostalgie.
gestern hoerte ich einen arabischen witz, der wohl nur fuer arabisch/verstehende witzig ist. ich eryaehl in trotzdem, kenne keinen anderen:
bei der armee
"wie lautet dein name? schu ismak?"
"Asim."
"Schu asim, hier gibt es keinen asim. du heisst qasim!"
"der naechste. Wie lautet dein name?"
"qahmad!"

heheh. wer das nicht witzig fand, kann kein arabisch. vielleicht koennte man das als eine art einbuergerungstest in syrien einfuehren. wer lacht, bekommt den aufenthalt. ah ich vergass, dass es sowas hier wohl gar nicht gibt, weil szrien nicht zu den gelobten laendern gehoert.
gestern las ich auf einem erfrischungstuch:
"civilization began from syria" das lass ich jetzt mal so stehen :).

heute hat asim, also qasim geburtstag. er wird 18. wir haben gest ein wenig gesprochen und es war bis jetzt das schoenste gespraech, das ich hier hatte. schoen, weil es um wirkliches ging und nicht nur smaltalk.
 die zeit rast und ich komm nicht hinterher.



01/08/09
jetzt bin ich wirklich angekommen, ganz bei mir und geniesse jeden augenblick hier. hab ganz die rosarote brille aufgesetzt und nicht nur die. ich trage jetzt channel und ray ben. natuerlich nicht die echten. es muss hier ziemlich frustrierend sein markensachen zu tragen (sofern man damit angeben moechte). kaum jemand achtet darauf, jeder traegt irgendein nobelzeichen auf seinen klamotten, taschen oder brillen. das nenn ich mal soziale gerechtigkeit. :)
apro pro soziale gerechtigkeit. wuerde ich hier leben, dann wuerde ich mich mich gegen die moderne sklaverei einsetzen. zwei wuerde zuviel. seufz. was nuetzt es mir, mich ueber ungerechtigkeit aufzuregen, wenn ich nichts aendern kann. ich quaele mich und die anderen haben davon gar nichts. gesegnet seien die ignoranten?! trotzdem kann ich nicht anders und die mir wirklich lieb ist, ist wasri, das dienstmaedchen aus indonesien, die fuer ein appel und ein ei, wie eine all/round/hausmaschine behandelt wird. nicht nur weil sie mir leid tut und meine eigene familie mir durch dieses verhalten entfremdet wird, sondern weil sie wirklich lustig und lieb ist. ich wuerde ihr gerne geben, was sie verdient. geld, freundschaft, ehre.
der aermere teil meiner familie hat zum glueck kein hausmaedchen und der unterschied zum rest der familie ist heftig. leben onkel, tanten, cousins/en, grosscousins/en und so weiter doch in ziemlich gute verhaeltnissen, zum teil wohlhabend, ist der eine halbonkel arm und natuerlich selber schuld. ein spagat zwischen zwei welten. ich bin mental an zwei plaetzen gleichzeitig. bei meiner tante (was die freundschaft mit wasri bedeutet und eine sachte annaehrung an eine meiner cousinen) und beim onkel (was meine cousinen/s, einen wahnsinns ausblick, auf die umayaden-moschee und das "echte" damaskus beinhaltet).
gestern bin ich allein zu ruqayaa gegangen und bin ca. 4 stunden dageblieben. ich weiss, was ich dort suche.
ich lauf jetzt 10 tage auf und durch die strassen damskus und es macht spass. es ist ein wenig wie surfen (oder wie ich mir surfen vorstelle). die syrer sind sehr neugierig, mit ihren blicken und fragen. ich hatte mir das anders vorgestellt. ich find es meist amuesant, wunder mich aber, dass man mein nicht-von-hier-sein so sehr ansieht. liegt wahrscheinlich hauptsaechlich an meiner kleidung.
habe ausprobiert, ob das tuch was aendert, gehe also manchmal mit tuch (wenn ich in die moschee gehe). mein fazit> das tuch "hilft" hier doch mehr als bei uns zu hause. es macht mich zumindest weniger auffaellig. trotzdem bin ich froh, dass ich meist keins trag, weil es echt heiss ist und auch wenn ich 25 jahre versichert habe: "nein, mir ist gaaaaar nicht heiss" gestehe ich nun ein: "doch es ist heiss(er) mit tuch". zumindest mir. ich hoere den ungesagten einwand: "die hoelle ist heisser" und erinner mich an meine frueheren ueberzeugungen, gedanken. sie erschrecken mich. das war mal ich. aber sie helfen mir auch, wenn ich junge menschen treffen, die radikal sind, positiv ausgedrueckt: voller eifer, gelassener zu bleiben.
die sehnsucht nach wahrheit, konstante, sinn trage ich aber in mir. was auch andere von mir denken moegen, ich kenne meine bereitschaft mich etwas groesserem unterzuordnen, mein beduerfniss mich aufzuloesen und die liebe in mir. es tut gut nicht mehr so darauf bedacht zu sein, die anderen davon zu ueberzeugen. ich habe mich selbst davon ueberzeugt. frueher haette mich das wissen um die unterstellungen anderer zerfressen, heute spuere ich nur noch ein kleinen stich nahe am herzen.
ich erinner mich gerade, wie am grab von ruqayaa (die tochter husseins, die als kind starb), eine frau versuchte eine barbie puppe in das gitter (das ihr grab umgibt) zu quetschen.
und mit dieser erinnerung schliesse ich heute und verstaue die anderen erlebnisse wieder in mir.
19/08/2009 










wind
um damaskus
auf dem berg
ganz oben steh ich
zufrieden
syrien ist schon vergangenheit. schnell verging die zeit, nun klingt sie in mir nach. stimmung, bilder, geräusche, gespräche, gerüche, gedanken...
gefunden habe ich nichts, habe auch nichts gesucht. mitgenommen habe ich einiges. ob ich dort leben wollen würde, wurde ich gefragt. ich weiß es nicht. ob ich überhaupt woanders leben wollen würde, frag ich mich. ich weiß es nicht, glaube aber, könnte ja, wollte nein.das gefällt mir, denn das gefühl woanders sein zu wollen, als ich gerade bin, es aber nicht zu können, kenne ich. es ist vor allem ausruck des "mit sich selbst nicht im reinen, auf der flucht vor sich selbst" zu sein.aber ich denke schon wieder zu viel.
ich bemühe mich praktischer zu werden, beobachtender ohne zu interpretieren.es gelingt oft ganz gut. ich streiche mein bad gerade. und beobachte wie das weiß der farbe den boden und mich volltropft. zu guter letzt bleibt auch etwas an der wand hängen, was im nassen zustand so schlimm, dass ich wünschte, ich hätte doch nur mich und den boden angemalt, dann aber nach dem trocknen halb so schlimm, sogar besser als vorher, aussieht. und das ist schon mal gut.
ich wünsch mir eine badewanne, als überraschung für meine lieben. ich warte nur noch drauf, dass sich mein wunsch erfüllt :).
bald ist ramadan und ich höre nur ra ma da n. was soll ich damit anfangen? bringt er einen neuanfang, eine neuentdeckung mit oder wird er mir nur zeigen, wie weit weg ich von meinem alten weg gewichen bin. saß am grab und bin trotz meiner zweifel ruhig, viel weniger verzweifelt, als in meinen alten zeiten. lese, bete dort und obwohl ich unsicher bin, ob es das bringt, was es sollte, ob es den erreicht, der mich hört, tue ich es und wünsche mir, dass es so sei. ich kann nichts bezeugen,weil ich kein zeuge bin, aber eine wünschende werde ich bleiben. habe nichts weggeschmissen, noch den rücken gekehrt. nur unsicher bin ich und mir meiner unsicherheit, wie auch dem bedürfnis nach echter sicherheit bewusst.
das mit dem praktisch sein übe ich noch...bis dann.

Ps.: 19/08/2009 








anbei das deutsche gegenstück zum syrischen witz, viel besser von meiner schwester erzählt, eine nicht ganz neue und doch wichtige erkenntnis:

witz
Am ersten Schultag stellen sich Kurt und seine Mitschüler derLehrerin vor. „Ich heiße Hannes, sagt der Erste.“ „Das heißtJohannes!“, sagt die Lehrerin. „Ich heiße Hanna“, sagt eineMitschülerin. „Das heißt Johanna“, verbessert sie die Lehrerin. SagtKurt: „Ich heiße Jokurt.“ Lachanfall

quelle:http://www.belustigung.de/witze/witz/Schueler.html

erkenntnis
den berg hinab fuhr ich gerne, ich liebte es. den berg hinauf quälte ich mich. ich liebte es nicht. da wurde mir zweierlei klar:
lieben tun wir das, was uns angenehm ist.
liebe ist das nicht. mögen trifft es besser.
wenn eine partnerschaft also auf dem hügel-tal-prinzip aufgebaut ist, dann liebt man seinen partner nicht, sondern genießt sie solange man ohne jede anstrengung, der sonne im gesicht, den wind als erfrischung vorankommt. hinschmeißen tut man sie (die partnerschaft), wenn man sich zu oft krebsrot im gesicht bergauf abstrampeln musste. eine kosten-einnahme-beziehung. logisch, aber traurig. ich möchte lieben, weil der andere liebenswert ist. weil ich sein ganzes liebe. "und wenn er dich dann wie scheiße behandelt?" wurde ich gestern auf der couch liegend, meine neue erkenntnis artikulierend, gefragt. "das tut er bestimmt nicht, weil ich liebe ihn ja, weil er gut ist. aber ich liebe ihn nicht, nur weil er meinem ego gut tut."  so weit die theorie, die gefällt mir ganz gut.












Eindrücke aus Damaskus

ich taumel zwischen tiefkuehlfeeling und fegefeuer hin und her. heute bin ich in einem der oeffentlichen busse gefahren. einsteigen/aussteigen> abenteurlich. aber hat geklappt...trotz sandalen mit absatz, die ich anzog, weil man mir sagte, wir wuerden nur mal schnell um die ecke gehen...daraus wurden 5/6stunden :). syrien halt. wir waren zum zweiten mal in der omayaden moschee. diesmal wollten sie mir ne dreckige abaja "ausleihen" fuer ein 5 dirham=ca 10 cent. sonst duerfe ich nicht rein. papi legte sich mit ihnen an und meinte, ich waere doch angezogen. aber nein, hose geht gar nicht, die antwort. papi wollte aber keine 10 cent fuer ne dreckige abajah, noch weniger den befehlen von moechte-gern-mullas nachkommen. o ton kamel moulla: mein grossvater hat ganz damaskus eingenommen, da lass ich mir doch von so ein paar idioten nichts sagen lassen. die wollen ihren staat im staat machen. die doofen..." hehehehe.






        
dann waren wir bei sayidna zaynab. es war schoen da. punkt.



hier jetzt meine beobachtung vom 24.7.09, frisch, vom kriekelkrakel in meinem roten notizbuch in den pc getippt, der y statt z schreibt und andersherum, kein UE OE AE kennt. was solls:

"heute habe ich die syrer ein stueck lieben gelernt (hehe.das war etwas voreilig..mal wieder), oben auf den bergen szrien..syriens, georganiya.

ueberall autos am freitag abend, die hoch oder runter wollen, aber nicht koennen, weil sie (wie sollte es anders sein) alle zur gleichen zeit entschlossen haben, aufyubrechen.araber im stau. im stau stehende, hupende araber. philsophie> je lauter und hektischer gehupt wird, um so schneller loest sich der stau. funktionierte diesmal merkwuerdigerweise aber nicht. der stau wurde dichter und dichter. eine lichterkette autos schmueckte die berge und das tal.

sehr amuesant (solange man nicht in einem der autos sass). dann stiegen aus drei verschiedenen autos 5-6 jugendliche aus, liessen das hupen sein und drehten arabische musik auf und tanzten auf der strasse: dabkeh. sie steckten mich an mit ihrer ausgelassenheit, ihrer freude, ihrer gabe einer festgesteckten situation die freude herauszukitzeln, als ihr recht, als ihre pflicht, oder als nichts von beiden, sondern weil es sich anbot. dafuer liebte ich sie.

 

Vom Schein; 09/02/2009

Das Märchen vom guten Teufel...

Die Scheinheiligkeit ließ uns glauben, es gäbe nur den Schein, vergessen die Heiligkeit, jeden heiligen Schein.

Und der Teufel ist nicht dumm, er täuscht uns, die Meister der Täuscher, bis wir nicht mehr durchblicken, wer nun der Täuscher und wer der Getäuschte. Bis wir zum Opfer der Illusion verkommen, gut sei nicht mehr gut und böse nie böse gewesen oder aber glauben, es gäbe nur Gut und Böse oder aber weder Gut noch Böse.

Wie auch immer: Ich mag ihn nicht den Teufel, aber er passt in diese Welt der Illusionen, in der jeden den anderen belügt, betrügt und vorgibt etwas anderes zu sein...und das ganz ohne Heiligenschein.