Sonntag, 25. Oktober 2009

Ausdrücke in Damaskus


humar ist wohl der beliebteste ausdruck im strassenverkehr. obwohl ich bis jetyt nur einen "echten" esel gesehen habe. die sind zumindest in der stadt fast ausgestorben. vielleicht ist humar deshalb so eine beliebte bezeichnung fuer autofahrer, die nicht so fahren wie man es selbst gerne haette. stur wie ein der gute alte esel, ein bisschen nostalgie.
gestern hoerte ich einen arabischen witz, der wohl nur fuer arabisch/verstehende witzig ist. ich eryaehl in trotzdem, kenne keinen anderen:
bei der armee
"wie lautet dein name? schu ismak?"
"Asim."
"Schu asim, hier gibt es keinen asim. du heisst qasim!"
"der naechste. Wie lautet dein name?"
"qahmad!"

heheh. wer das nicht witzig fand, kann kein arabisch. vielleicht koennte man das als eine art einbuergerungstest in syrien einfuehren. wer lacht, bekommt den aufenthalt. ah ich vergass, dass es sowas hier wohl gar nicht gibt, weil szrien nicht zu den gelobten laendern gehoert.
gestern las ich auf einem erfrischungstuch:
"civilization began from syria" das lass ich jetzt mal so stehen :).

heute hat asim, also qasim geburtstag. er wird 18. wir haben gest ein wenig gesprochen und es war bis jetzt das schoenste gespraech, das ich hier hatte. schoen, weil es um wirkliches ging und nicht nur smaltalk.
 die zeit rast und ich komm nicht hinterher.



01/08/09
jetzt bin ich wirklich angekommen, ganz bei mir und geniesse jeden augenblick hier. hab ganz die rosarote brille aufgesetzt und nicht nur die. ich trage jetzt channel und ray ben. natuerlich nicht die echten. es muss hier ziemlich frustrierend sein markensachen zu tragen (sofern man damit angeben moechte). kaum jemand achtet darauf, jeder traegt irgendein nobelzeichen auf seinen klamotten, taschen oder brillen. das nenn ich mal soziale gerechtigkeit. :)
apro pro soziale gerechtigkeit. wuerde ich hier leben, dann wuerde ich mich mich gegen die moderne sklaverei einsetzen. zwei wuerde zuviel. seufz. was nuetzt es mir, mich ueber ungerechtigkeit aufzuregen, wenn ich nichts aendern kann. ich quaele mich und die anderen haben davon gar nichts. gesegnet seien die ignoranten?! trotzdem kann ich nicht anders und die mir wirklich lieb ist, ist wasri, das dienstmaedchen aus indonesien, die fuer ein appel und ein ei, wie eine all/round/hausmaschine behandelt wird. nicht nur weil sie mir leid tut und meine eigene familie mir durch dieses verhalten entfremdet wird, sondern weil sie wirklich lustig und lieb ist. ich wuerde ihr gerne geben, was sie verdient. geld, freundschaft, ehre.
der aermere teil meiner familie hat zum glueck kein hausmaedchen und der unterschied zum rest der familie ist heftig. leben onkel, tanten, cousins/en, grosscousins/en und so weiter doch in ziemlich gute verhaeltnissen, zum teil wohlhabend, ist der eine halbonkel arm und natuerlich selber schuld. ein spagat zwischen zwei welten. ich bin mental an zwei plaetzen gleichzeitig. bei meiner tante (was die freundschaft mit wasri bedeutet und eine sachte annaehrung an eine meiner cousinen) und beim onkel (was meine cousinen/s, einen wahnsinns ausblick, auf die umayaden-moschee und das "echte" damaskus beinhaltet).
gestern bin ich allein zu ruqayaa gegangen und bin ca. 4 stunden dageblieben. ich weiss, was ich dort suche.
ich lauf jetzt 10 tage auf und durch die strassen damskus und es macht spass. es ist ein wenig wie surfen (oder wie ich mir surfen vorstelle). die syrer sind sehr neugierig, mit ihren blicken und fragen. ich hatte mir das anders vorgestellt. ich find es meist amuesant, wunder mich aber, dass man mein nicht-von-hier-sein so sehr ansieht. liegt wahrscheinlich hauptsaechlich an meiner kleidung.
habe ausprobiert, ob das tuch was aendert, gehe also manchmal mit tuch (wenn ich in die moschee gehe). mein fazit> das tuch "hilft" hier doch mehr als bei uns zu hause. es macht mich zumindest weniger auffaellig. trotzdem bin ich froh, dass ich meist keins trag, weil es echt heiss ist und auch wenn ich 25 jahre versichert habe: "nein, mir ist gaaaaar nicht heiss" gestehe ich nun ein: "doch es ist heiss(er) mit tuch". zumindest mir. ich hoere den ungesagten einwand: "die hoelle ist heisser" und erinner mich an meine frueheren ueberzeugungen, gedanken. sie erschrecken mich. das war mal ich. aber sie helfen mir auch, wenn ich junge menschen treffen, die radikal sind, positiv ausgedrueckt: voller eifer, gelassener zu bleiben.
die sehnsucht nach wahrheit, konstante, sinn trage ich aber in mir. was auch andere von mir denken moegen, ich kenne meine bereitschaft mich etwas groesserem unterzuordnen, mein beduerfniss mich aufzuloesen und die liebe in mir. es tut gut nicht mehr so darauf bedacht zu sein, die anderen davon zu ueberzeugen. ich habe mich selbst davon ueberzeugt. frueher haette mich das wissen um die unterstellungen anderer zerfressen, heute spuere ich nur noch ein kleinen stich nahe am herzen.
ich erinner mich gerade, wie am grab von ruqayaa (die tochter husseins, die als kind starb), eine frau versuchte eine barbie puppe in das gitter (das ihr grab umgibt) zu quetschen.
und mit dieser erinnerung schliesse ich heute und verstaue die anderen erlebnisse wieder in mir.
19/08/2009 










wind
um damaskus
auf dem berg
ganz oben steh ich
zufrieden
syrien ist schon vergangenheit. schnell verging die zeit, nun klingt sie in mir nach. stimmung, bilder, geräusche, gespräche, gerüche, gedanken...
gefunden habe ich nichts, habe auch nichts gesucht. mitgenommen habe ich einiges. ob ich dort leben wollen würde, wurde ich gefragt. ich weiß es nicht. ob ich überhaupt woanders leben wollen würde, frag ich mich. ich weiß es nicht, glaube aber, könnte ja, wollte nein.das gefällt mir, denn das gefühl woanders sein zu wollen, als ich gerade bin, es aber nicht zu können, kenne ich. es ist vor allem ausruck des "mit sich selbst nicht im reinen, auf der flucht vor sich selbst" zu sein.aber ich denke schon wieder zu viel.
ich bemühe mich praktischer zu werden, beobachtender ohne zu interpretieren.es gelingt oft ganz gut. ich streiche mein bad gerade. und beobachte wie das weiß der farbe den boden und mich volltropft. zu guter letzt bleibt auch etwas an der wand hängen, was im nassen zustand so schlimm, dass ich wünschte, ich hätte doch nur mich und den boden angemalt, dann aber nach dem trocknen halb so schlimm, sogar besser als vorher, aussieht. und das ist schon mal gut.
ich wünsch mir eine badewanne, als überraschung für meine lieben. ich warte nur noch drauf, dass sich mein wunsch erfüllt :).
bald ist ramadan und ich höre nur ra ma da n. was soll ich damit anfangen? bringt er einen neuanfang, eine neuentdeckung mit oder wird er mir nur zeigen, wie weit weg ich von meinem alten weg gewichen bin. saß am grab und bin trotz meiner zweifel ruhig, viel weniger verzweifelt, als in meinen alten zeiten. lese, bete dort und obwohl ich unsicher bin, ob es das bringt, was es sollte, ob es den erreicht, der mich hört, tue ich es und wünsche mir, dass es so sei. ich kann nichts bezeugen,weil ich kein zeuge bin, aber eine wünschende werde ich bleiben. habe nichts weggeschmissen, noch den rücken gekehrt. nur unsicher bin ich und mir meiner unsicherheit, wie auch dem bedürfnis nach echter sicherheit bewusst.
das mit dem praktisch sein übe ich noch...bis dann.

Ps.: 19/08/2009 








anbei das deutsche gegenstück zum syrischen witz, viel besser von meiner schwester erzählt, eine nicht ganz neue und doch wichtige erkenntnis:

witz
Am ersten Schultag stellen sich Kurt und seine Mitschüler derLehrerin vor. „Ich heiße Hannes, sagt der Erste.“ „Das heißtJohannes!“, sagt die Lehrerin. „Ich heiße Hanna“, sagt eineMitschülerin. „Das heißt Johanna“, verbessert sie die Lehrerin. SagtKurt: „Ich heiße Jokurt.“ Lachanfall

quelle:http://www.belustigung.de/witze/witz/Schueler.html

erkenntnis
den berg hinab fuhr ich gerne, ich liebte es. den berg hinauf quälte ich mich. ich liebte es nicht. da wurde mir zweierlei klar:
lieben tun wir das, was uns angenehm ist.
liebe ist das nicht. mögen trifft es besser.
wenn eine partnerschaft also auf dem hügel-tal-prinzip aufgebaut ist, dann liebt man seinen partner nicht, sondern genießt sie solange man ohne jede anstrengung, der sonne im gesicht, den wind als erfrischung vorankommt. hinschmeißen tut man sie (die partnerschaft), wenn man sich zu oft krebsrot im gesicht bergauf abstrampeln musste. eine kosten-einnahme-beziehung. logisch, aber traurig. ich möchte lieben, weil der andere liebenswert ist. weil ich sein ganzes liebe. "und wenn er dich dann wie scheiße behandelt?" wurde ich gestern auf der couch liegend, meine neue erkenntnis artikulierend, gefragt. "das tut er bestimmt nicht, weil ich liebe ihn ja, weil er gut ist. aber ich liebe ihn nicht, nur weil er meinem ego gut tut."  so weit die theorie, die gefällt mir ganz gut.












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