
Ich habe mein altes Tagebuch wiedergefunden. Äußerlich und oft auch innerlich ist es so ein typisches Mädchentagebuch, mit Schloß und zum Teil klugen, zum Teil dummen Sprüchen über jeder Seite, ein Geschenk meiner Großmutter.
Hier ein Auszug, ein Zeitzeugenbericht des Mauerfalls, Maryam, 12 Jahre, indoktrinierte Westlerin:
"Seit zwei Monaten ist die Grenze geöffnet. Das heißt früher gab es Ost- und West-Berlin. Das hat was mit dem 2. Weltkrieg zu tun. 40 Jahre wurden die Menschen in Ost-Berlin und in der DDR unterdrückt.
Früher hat Ost Berlin und die DDR zu Deutschland gehört, und Berlin war die Hauptstadt. Jetzt wurde alles im Krieg beschädigt und (Wegen Hitler und so aber das ist schon wieder was anderes) Deutschland hatte verloren. Und die Amerikaner, die Franzosen und die Engländer haben sich Berlin geteilt. West-Berlin bekamen Sie (Aber Sie haben uns den einen Teil gelassen: Ein sehr goßen Teil.)
Ost-Berlin und die DDR bekamen die Russen. Gegen die Hitler gekämpft hat. (Ich hoffe das ist richtig so.)

West-Berlin hatte genug Geld um alles wieder zu erneuern. Aber Ost-Berlin nicht.
40 Jahre war nun die Sed an der Macht (in Ost-Berlin und in der DDR). Sie hat die Leute unterdruck gesezt. Sie durften nicht rauß auß der DDR. Konnten nichts richtiges kaufen keine Bananen nichts. Im In anderenl Ländern war das auch so. Jetzt hatte Ungarn die Grenzen geöffnet. Und die Leute aus der DDR konnten flüchten.
Da war selbst Honecker Machtlos. Viele blieben in der DDR und Protestierten. Das hat was genützt. Erst haben die Sed Soldaten und Tränengaß eingesetzt das hat nicht geholfen den das Volk ist mutig geworden. Dann tauchte Honecker und andere Sed Mitglieder auf und hielten Reden. Das die Mauer in 100 Jahren noch stünde. Sie wurden ausgepfiffen und die Leute schrien:
"Freiheit, Freiheit!"
Die Mauern wurden dann geöffnet und die Leute kamen in Maßen nach Deutschland. Seitdem gibt es genauso viele Trappis wie unsere Autos.
Die Sed-Mitglieder wurden verhaftet. Die DDR verkauft die Mauer.
Seitdem spricht man von Widervereinigung.
Manche Sachen verstehe ich noch nicht ganz. Aber ich bin ja auch erst 12 Jahre alt geworden."
Ich erinnere mich noch gut, wie wir,die ganze Familie zum Lichtenradner Wäldchen gefahren sind und freudig "Willkommen" gewunken haben. Wir waren, mein arabischer Vater und meine Mutter und 4 Schwestern, alle Kopftuch tragend.
Das skurile Bild, das wir abgegeben haben müssen, war mir damals nicht bewusst. Heute würde ich nur zu gerne wissen, was die Leute in den Trabbis gedacht haben. Vielleicht etwas wie: "Haben wir uns verfahren und sind in Istanbul gelandet?" Vielleicht aber, ist es ihnen in ihrer Euphorie auch nicht so doll aufgefallen. Wer weiß.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen